Hollwege - Geschichte eines Eschdorfes im Ammerland

Reitereinquartierung in Hollwege 1628-29 zum 30jährigen Krieg

Um 1627 gab es im Rahmen des Dreißigjährigen Krieg (1618-48) Auseinandersetzungen im norddeutschen Raum. In den Jahren 1627-31 waren deshalb in der Grafschaft Oldenburg kaiserliche Truppen einquartiert. Dies war ein harter Schlag gegen die Neutralitätspolitik Graf Anton Günthers, der Einquartierungen bisher durch Diplomatie und Geldzahlungen zu vermeiden wußte. Ein Befehl der kaiserlichen Regierung in Prag verlangte aber, etliche Regimente der Reichsarmee, soviel wie das Gebiet ertragen könnte, aufzunehmen. Den einquartierten Soldaten warf der Oldenburger Graf Raub, Plünderung, Erstechen, Niederschießen, Verwunden, Schändung von Frauen und Kindern sowie anderen Übermut vor. Ferner waren die Bewohner teilweise gezwungen, Vieh oder Hausrat zu verkaufen, um überleben zu können.

In Hollwege sollen in den ersten 40 Wochen des Jahres 1628 Mannschaften der Kompanien der Rittmeister Leo Westphalen und Fortunati in Ruertien gelegen haben. Die Belastungen, die den Hollwegern widerfuhren, lassen sich am Beispiel des Hausmanns Didrich Langy nachvollziehen. Jener mußte als Brandschatzung 21 Rt. 34 Gr. liefern und war 8 Rt. 38 Gr. schuldig geblieben (zusammen 30 Rt.). Den weiteren Schaden schätzt er in einer beim Amt Apen vorgebrachten Eingabe auf 61 Rt. und unterteilte diesen wie folgt: Joh. v. Cöln und Frerich Krumm wöchentlich 4 Scheffel Hafer nebst Heu und Stroh geliefert 52 Rt. Dem Rittmeister Fortunati einen Ochsen geben müssen 5 Rt. Den beiden Reitern Niklas und Antonis "mit Gewalt geben müssen" 5 Rt., sowie 1 Hemd und 1 Bettlaken für 1½ Rt.

Von Dezember 1627 bis zum März 1629 waren mehrfach Soldaten in Hollwege, Moorburg und Felde beherbergt. Aus den Beschwerden oder Kostenaufstellungen der Einwohner wird deutlich, wie sich die Einquartierten gegenüber den Quartiergebern verhielten:

[13. Nov. 1628 bis 3. März 1629, 15 Wochen] Holwege Alda hat der Veldtweybel fry quartire gehabt, und haben ihm nachfolgende zugepfleget; Frerich Süsens dieser hat Ihn mit weyb, 2 Jungen und 3 Pferden die gantze Zeidt im Hause gehabt, Ihm heuw, Licht, rauhfutter und an bahren gelde wochentlich 2 Rt. geben müssen, rechnet es in alles wochentlich uff 3 Rt., Ist in 15. wochen 45 Rt. Anna Wimbken, hat dem Veltweybels 4 wochenlangk iedesmal 3 Rt. für gefordertes Serviesgelt geben müssen, Ist 12 Rt., 10 Wochen aber 3 Soldaten mit 1 Weib im Hause gehabt, denen sie wochentlich ingesambt 3 Rt. 54 Gr. gegeben, Ist 37 Rt. 36 Gr., So sey Ihr auch ein beest aufrembert fras 8 Rt. Wilcke Ulcken. Hat dem Veltweybels wochentlich 3 Rt. schaffen müssen, Ist 45 Rt. Bruncke Kleßen. Hat der Marcketenter selbsegste und 4 Pferde 8 Tag volkommen gespeiset und futter verschaffet, schezt es uf 6 Rt. Die folgende 14 Wochen hat er Ihm iedesmal geben müssen 2½ Rt. 35 Rt. Gerdt Warnerß Hat Albert Suhr neben seinem weibe die ganze Zeit über 1¼ Rt wochentlich geben 18 Rt. 54 Gr. Bruncke Bruncken. Hat alzeit 2 Soldaten gehabt, und jeden wochentlich 2½ Rt. geben müssen, Ist 37½ Rt., darzu dem Veltweybels auß Zwangk gegeben 4 Rt., Und hatten diese Soldaten Ihm an Leinen Zeugk genommen für 3 Rt. Dietrich Hobbie hat 2 Soldaten mit dem Weibe die gantze Zeit wochentlich mit 2¾ Rt. unterhalten müssen, Ist 41 Rt. 18 Gr. Welche Ihm 2 neue Hembde und andere Kleider genommen, so er schezt uff 3½ Rt. Johann Spasytt hat 1 Leibschuzes und des Jägers mit 6 Hunde 7 wochenlangk eßen und tringken verschafft, welches ihm wochentlich gekostet 3 Rt., Ist 21 Rt., die folgende 8 wochen hat er dem Veltweybel iedesmahl 3 Rt. geben müssen, Ist 24 Rt. Ölteke Campy. Hat 2 Soldaten gehabt, iede woche 2½ Rt. geben, Ist 37½ Rt., Welche Ihm einen Degen und 1 Beyl genommen, so er schezt uff 2 Rt. Dirck Langi hat 4 wochenlangk 2 Soldaten mit 1 Weib Kost und bier geben, schezt es uff 3 Rt. wochentlich, Ist 12 Rt., Hernach 11 wochen 1 Soldaten iedesmahl 1 Rt. entrichtet, Ist 11 Rt. Zu dehm hat er einen Soldaten, Wernstedt genannt, auß Zwang geben müssen 3 Rt. Rengke Restehausens hat 2 Soldaten neben 1 Weib 4 wochenlangk Kost und bier geben, dafur er schezt 12 Rt. Hernach hat er jedem 11 wochenlangk 1¼ Rt. geben, Ist 27½ Rt., diesem haben diese Soldaten 2 Schweine genommen, so wehrt gewesen 3½ Rt.

Johann Hagens hat einen Soldaten stets gehabt, und demselben wochentlich 1 Rt. geben, Ist 15 Rt. Gerdt Spassitt Hat dem Veltweybels wochentlich 40 Gr. geben, Ist 8 Rt. 24 Gr. Auch sonsten, Soldaten 1 Rt. geben mussen, Ist 15 Rt. Dietrichs Bruncke Hat dem feltweybels wochentlich 1 Rt. zu schaffen mussen, Ist 15 Rt., Welchem 1 groß Schwein genommen worden, so werth gewesen 2½ Rt. Meine Vesti Hat 1 gefreyten mit dem weybe wochentlich 1 Rt. 24 Gr. geben, Ist in 15 wochen 20 Rt. Behrent Fohlcken und Sieffke Meylahn Haben 1 Soldaten wochentlich 1¼ Rt. geben, Ist 18 Rt. 5 Gr. Ötche Hagens. Hat 1 Soldaten neben weib und 1 Kindt wochentlich 1¼ Rt. geben, ist 18¾ Rt. Welcher Soldat, seinem Sohn an bahren gelde genommen 6 Rt. Rengke Bicker. Hat dem Veltweibeln wochentlich 36 Gr. geben mußen, Ist 7½ Rt. Johann Blangken. Hat 1 Soldaten mit weib und kindt wochentlich 1½ Rt. bezahlen mussen, Ist 22½ Rt. Gerd Bicker. Hat 1 Soldaten Kost und bier geben, wochentlich fur 1 Rt. Ist 15 Rt. Johann Krossen Hat dem Veltweybels wochentlich 1 Rt. entrichten mussen ist 15 Rt., So sey Ihm auch an allerhandt Haußgerath fur 4 Rt. entfrembert worden. Blanken Sieffke Hat 1 Soldaten mit weyb und 2 Kinder wochentlich 1¼ Rt. geben, Ist 18¾ Rt. dehm diese Soldaten 3 Korb Immen entfrembert, so wehrt geschezt 5 Rt. Bruncke Varß dem Gefreyten Casper wochentlich 1 Rt. geben, Ist 15 Rt. Johann Krügers. Hat dem gefreyten Ernst alle woche 1¼ Rt. schaffen müssen, Ist 18 Rt. 54 Gr., welchem 1 Beest und 1 Schwein genommen worden, so er astimirt uf 5 Rt. Meine Varß. Hat dem Veltweibeln in der gantzen Zeit zu geschafft an gelde 9 Rt. So hette er auch dem Veltweybel 1 k. bier vor 2 Rt. verkaufft, aber keine bezahlung bekommen, ist 2 Rt. Und sey Ihm 1 Schwein genommen, so wehrt gewesen 2 Rt. Rengke Symen und Wresmans. Hat 1 Soldaten wochentlich 1¼ Rt. geben müssen, Ist 18¾ Rt., Sieffke Hupen. Hat 1 Soldaten 14 tage langk kost und bier geben, dafur gerechnet 2 Rt. Hernach demselben 13 wochen jedesmahl 36 Gr. geben, Und dem Veltweibeln auf die Zeidt über 36 Gr. Ist 13 Rt. Bruncken Dirck. 1 Soldaten 1¼ Rt. geben, ist 18 Rt. 54 Gr. Dirck Ploys. Hat dem Veltweibeln wochentlich 1 Rt. wie dann auch fur Bier, 1 schfl. weitzen, und brodt geben mußen 3 Rt. Ist 18 Rt. So sey ihm auch 1 Beest genommen worden, von 7 Rt.

Abelß. Hat 1 Soldaten erstlich 3 wochen Kost und bier Ist 3 Rt. Hernach aber demselben wochenlangk jedes mahl 25 Gr. geben, ist 4 Rt. 12 Gr. Johann Dircks. Hat 1 Soldaten 14 Tage Kost und bier geben, Ist 2 Rt. demselben 3 wochenlangk jedesmahl 54 Gr. geben, ist 2 Rt. 18 Gr. 10 wochen aber allemahl 1 Rt. entrichtet, Ist 10 Rt. dehme haben diese Soldaten 1 Schwein entfrembert, so wehrt gewesen 1 Rt. Johann Fircken. Hat 1 Soldaten wochentlich 25 Gr., Ist 5 Rt. 15 Gr. wie dann auch dem Veltweibeln einmahl geben mussen 1 Rt. Gesche Witchen. Hat 1 Soldaten wochentlich 6 Gr. geben ist 1¼ Rt. Und sey Ihr 1 Kuh genommen worden von 7 Rt. Oltman Beutelburgh. Dieser hat dem Veltweybeln vor rund nach in allen 24 Fuder Heu schaffen mussen, jedes fuder nur uf 36 Gr. rechnet, Ist 12 Rt. Dirck Heydkroß. Hat 7 wochen langk 1 Soldaten 1 Rt. 12 Gr., Ist 8 Rt. 12 Gr. 4 wochen aber 2 Soldaten Jedem 1¼ Rt. Ist an beiden wochentlich 2½ Rt. thut 10 Rt. Und noch 4 Wochen 1 Soldaten allemahl 1¼ Rt. geben müssen, Ist 5 Rt., diesem haben die Soldaten bey hellem tage sein Hauß erbrochen, und auß seiner Kisten an Leinwandt 20 Rt. werth genommen, noch 1 Schwein von 2 Rt. Und 1 Kalb von 1 Rt. wie dann auch noch sonst genommen, fur 1 Rt.

Insgesamt verlor der Hausmann Didrich Langy demnach etwa 108½ Rt., was ungefähr dem 20fachen seiner gewöhnlichen jährlichen Abgaben entsprach und war zudem dem Zwang und Druck fremder Reiterscharen ausgeliefert. Noch 1644 berichtet die Witwe Hille Hagens in ihrem Testament, bei der Rueter inquartirung einen Braukessel nothalber verkauft zu haben.