Hollwege - Geschichte eines Eschdorfes im Ammerland

Flucht dreier Hausleute von ihren Höfen 1594 wegen Wilddieberei

1594 flohen drei Hollweger Hausleute von ihren Höfen, weil sie Wilddiebereien getrieben und mit einer hohen Strafe zu rechnen hatten. Das Getreide sowie Heu dieser Bauern ließ Graf Johann von Oldenburg nach Apen und Burgforde fahren, wie es in der Chronik des Johan Blanken aus der Zeit um 1600 folgendermaßen geschildert wird:

"Im sulven Jahre - 1594 - im Harvest sind tho Holwege Oltken Dirk, Gerdt Langy undt Johan Kleßen umme Wiltwerkes willen dat se scholden gevangen hebben, undt sint van eren Gude na Freßlandt getagen, und alle ere levendige Have undt Güder heft de Grave tho sick genamen undt up de Hußlüde in westersteder Carspell up de Foderinge gedahn, und heft em ok er Hoy und Garven nemen laten undt is na Apen undt Borgvorde geföret worden".

Die Bauern kehrten wohl nach relativ kurzer Zeit zurück, bzw. die Familien bewirtschafteten die Höfe weiter. Zumindest erscheinen die Höfe weiter unter ihren Familiennamen. Überdies gewinnt die beschriebene Begebenheit an Glaubwürdigkeit, wenn Oltke Kampie 1661/62 (jährlich) Wildgelt seines Vattern Verwirkung halben 36 Grote entrichten mußte, desgleichen taucht diese Abgabe schon 1644 in der Amtsrechnung zur gleichen Summe alleinstehend auf. Von Zeiten dazwischen oder davor liegen wohl keine Informationen vor. Ebenso wird diese Abgabe ins Erdbuch (1693) aufgenommen und bis zu dessen Auflösung Anfang des 20. Jahrhunderts weiter aufgeführt. Allerdings taucht diese Abgabe nur bei Öltjen auf.

Die Flucht der Hausleute spiegelt sich gleichfalls in einer alten Familienüberlieferung wider, nach der ein Langy Mitte des 17. Jahrhunderts wegen Jagdvergehens, um sich der darauf stehenden schweren Strafe zu entziehen, außer Landes ging. Nach einer Jagdverordnung von 1688 wurden Personen, die sich unterstanden "Wild zu schießen oder zu hetzen", mit folgenden Strafen belegt: Für einen Hirsch 1000 Rt., Damhirsch 800 Rt., Reh 600 Rt., Schwan, Gans oder Ente 200 Rt. In Unvermögenheit mußte der Straffällige auf dem Bremer Hohn in "Eisen und Banden" gehen.

Vielleicht hat es sich bei dem bei der Wilddieberei genannten Oltken Dirk auch nicht um den Hollweger Hausmann Oeltjen gehandelt, der zu jener Zeit Oltke Kamping oder Olken Carsten hieß, zumal ein Dirick Olleken nur 4 Jahre später und schon vorher in Hollwege sich schlecht aufführte. So wurden dem Kirchgeschworenen Gerdt Wiemken im Januar 1598 erneut Speck, Lien und ein Brot gestohlen. Daraufhin hatten sämtliche Hollweger eine Haussuchung durchgeführt, bei der sie bei besagtem Dirick Olleken das Diebesgut auf dem Balken fanden. Jener gab großen Hunger und Not als Beweggrund an. Der Schuldige wurde dann in der Aper Festung gefangen gehalten, insbesondere weil etliche Jahre zuvor Wiemken fast arm gestohlen wurde. Der Fall sollte dann näher untersucht werden. Hierbei wurde eine Frau aus Westerstede (ihre Mutter und des Schuldigen Großvater waren Geschwister), die vor etwa sechs Jahren mit ihm zusammen in seinem Haus lebte, und so von den Diebereien wissen sollte, auch abgeführt, "und sizet nun er im Wall, und sie under dem Gewolb im loch".