Hollwege - Geschichte eines Eschdorfes im Ammerland

Der Hollweger Zehnte ans Kloster Rastede und Old. Grafenhaus 1226-1866

Um 1200 war der Zehnte von Hollwege im Besitz des Oldenburger Grafenhauses und wurde dann vom Abt Meinrich und dem Kloster Rastede vom Grafen Heinrich von Oldenburg erworben. Am 1. April 1226 übertrug Erzbischof Gerhard II. und das Domkapitel zu Bremen ihnen diesen dann zum Eigentum. Somit zehnten die Hollweger Bauern ab etwa 1226 dem Rasteder Kloster. Der Zehnte galt als jährliche Abgabe des zehnten Teils der Ernte, was schon einen tiefen Einschnitt in den Besitz bedeutete, hinzu kamen sonst noch andere Abgaben.

Ungefähr seit 1529 wurde das Kloster aufgelöst, d.h. sein Besitz verweltlicht und privatisiert. Dies geschah unter Ausnutzung der reformatorischen Zeitströmung. 1566 fiel dann das Kloster als Familienerbe des letzten Vorstehers an den regierenden Bruder Graf Anton von Oldenburg und hiermit ans Grafenhaus zurück. Der Zehnte wurde künftig an den Amtsverwalter in Rastede abgeliefert. Dementsprechend wurde dieser zugleich mit dem Amtszehnten in der Vogtei Apen/Westerstede gezogen, zum Haus Burgforde z.B. gebracht und der Aper Amtmann zahlte dem Amtsverwalter zu Rastede (1650) für den Scheffel Roggen 36 und den Scheffel Gerste 18 Grote usw. aus. Der Hollweger Zehnte bestand 1636 aus: 6 molt Roggen, 9 molt ¼ Scheffel Korn (Gerste), 22 Bund reinem Flachs und 21 Rt. an barem Geld, sowie aus jedem vollen Erbe 1 Fuder Stroh.

Die Zehntabgabe der einzelnen Bauern ergab sich aus der Größe und der Menge der von ihnen angebauten Ackerländereien mit Roggen, Flachs usw. Im Laufe der Zeit wurden ebenfalls die Kötereien zum Zehnten herangezogen, da sie Land der Hausleute (z.B. Eschland) erworben hatten und die Abgaben so auf sie übergingen. Die Köter waren vom Zehnten sonst frei. So mußten ebenso nachher Bewohner aus anderen Dörfern den Hollweger Zehnten entrichten, da sie hier abgabenpflichtiges Land erwarben. Mit dem Hollweger Fruchtzehnten zusammen wurde später immer der Linsweger (seit 1124 (!) zum Kloster Rastede) eingezogen.

1635 pachtete der Westersteder Vogt Maxwell beispielsweise auf 4 Jahre den Fruchtzehnten im ganzem Amt Apen, einschließlich dem Hollweger von 6 Molt Roggen. 1647 wurde Beschwerde gegen diesen Vogt geführt. Den Linsweger und Hollweger Untertanen verkaufte er den Scheffel Roggen für 27 Gr. und das Korn zu 18 Gr., der Herrschaft zahlte er jedoch nur 22 Gr. bzw. 15 Gr. (über 16-18% Gewinn nur für das Einsammeln und Weiterleiten des Geldes!), was dieser zu gering erschien. 1650 bezahlte er dem Amtsverwalter zu Rastede schließlich 36 Gr. für den Roggen und 18 Gr. für die Gerste.

Seit 1667 wurde der Zehnte an Maxwells ehemaligen Schreiber Jürgen Schröder verheuert. Jener steigerte von Jahr zu Jahr den Zehnten und zog zusätzlich, das zur Ausfütterung des Viehs und höchst nötiger Bedüngung des Zehntlandes sonst gelassene Stroh ebenso mit zum Zehnten.

1719 beantragten die Linsweger und Hollweger Bauern schließlich beim Oldenburger Grafen Christian VI., König zu Dänemark und Norwegen, die bisherigen Naturalleistungen durch eine Geldabgabe zu ersetzen. Sie waren den Zehnten seit alten und undenklichen Jahren schuldig, gaben ihn von ihren Ländereien ans Kloster Rastede und in alten Zeiten entrichteten sie ihn zudem in reiner Frucht. Der Klosterverwalter kam damals mit Pferd und Wagen und holte die geforderte Frucht ab. Später wurde dieser aber in der königlichen Rentkammer an den Meistbietenden verheuert und nach Zahl der Hocken, so auf dem Lande standen, abgeholt. Dieses hat ihnen und ihren Voreltern viel Unruhe sowie Verdruß gebracht, da ihnen eine große Ungerechtigkeit widerfuhr. Sie schreiben weiterhin:

"...daß die Früchte oft uf dem Lande unendlichen Schaden leyden, wann dieselbe so lange stehen müßen, bis es den Pächter gelegen fält, den Zehndten Zu Ziehen. Wann aber wir nur Hochmageres und Dürres Sandland haben, davon durch unseren Saueren Schweiß die Frucht negst Gottes Segen Verschaffet, eingeerntet werden muß, es uns als sehr beschweret, wie dieselbe oft der gestalt durch Wind und Wetter und des Pächters Vorgemelte Commoditat [Bequemlichkeit] uf dem Lande Verdirbe".

Daneben mußte dem Pächter etliche Jahre ein ziemlicher Profit herausgegeben werden und die Pacht stieg von Jahr zu Jahr. Vor etlichen Jahren waren noch die Hüllsteder, Mansier, Howieker u.a. verpflichtet, Naturalien zu liefern. Sie hatten diese inzwischen jedoch durch eine jährliche Geldzahlung ersetzt bekommen. Die Hollweger Bauern pochten auf die Gerechtigkeit diesen Dörfern gegenüber und wollten nicht weiter den Pächtern ausgeliefert sein und die Ernte in Sicherheit wissen. Der damalige Amtmann Bohlken unterstützte das Gesuch der Hollweger indem er ausführlich über die Machenschaften der Pächter und den vielen Klagen der Zehntpflichtigen in seiner langen Amtszeit berichtete und diese auch an Hand von alten Unterlagen nachwies.

Auf Grund des Antrags untersuchte der Oldenburgische Landdrost gemäß eines Befehls von Kopenhagen die Sache und unterhandelte mit den Bittstellern. Daraufhin verabschiedeten 1720 die Linsweger und Hollweger Bauern auf der einen Seite und der König von Dänemark auf der anderen einen Erbzinskontrakt. Statt wie bisher Naturalien zu liefern, verpflichteten sich die Bauern jährlich 166 Rt. Gold zu entrichten (Hollwege über 65 Rt.). Johann Wiemken und Frerich Öltjen traten für die betroffenen Hollweger Bauern als Bürgen ein, die alle den Vertrag unterschrieben. Jener Erbzinskontrakt wurde 1768, 1787 und 1840 aufs neue bestätigt. Noch 1866 zinsten die Hollweger Bauern jährlich 68 Rt. Gold bzw. dann 74 Rt. Courant.

Zeitweise konnten die Hollweger den Zehnten allerdings nicht entrichten, z.B. wenn die Ernte zu gering ausfiel oder vernichtet wurde. Daher konnten sie 1653 keinen Zehnten leisten, da der Hagel dort (in den anderen Dörfern nicht so) durchgehend großen Schaden verursacht hatte und deshalb die Ernte schlecht ausgefallen war. 1648 lagen die Hüllsteder, Holl- und Linsweger Kämpe laut Maxwell wüste, ebenso 1651 bei den Hollweger Kämpen an die 50 Stücke. Vermutlich kam dies ebenfalls auf Grund von Ernteschäden durch Hagel. Das Getreide wurde hiervon oftmals in Mitleidenschaft gezogen, so zum Beispiel 1645 in der ganzen Vogtei Apen/Westerstede. Diese wiederkehrenden Hagelschläge mögen eine Erklärung für die Entstehung der folgenden Sage sein, die sich mit dem Linsweger und Hollweger Fruchtzehnten auseinandersetzt:

"Einst ging über das Ammerland ein schweres Unwetter nieder. In den Dörfern Hollwege und Linswege im Kirchspiel Westerstede fielen Hagelschloßen so groß wie Taubeneier, und dadurch wurde das Korn auf dem Halme fast vernichtet. Um schwereres Unglück abzuwenden, beschlossen die Einwohner beider Bauerschaften, eine Wallfahrt zur Mutter Gottes im Kloster Rastede zu unternehmen, und so geschah es auch. Sie machten sich bei fürchterlichem Unwetter auf den Weg, aber zwei Witwen scheuten Wind und Wetter und blieben daheim. Nach der Wallfahrt baten die Bauern den Abt von Rastede, dafür zu sorgen, daß künftig durch die Fürbitte der Mönche solch schweres Unheil abgewendet werden möchte. Der Abt ging darauf ein, und die Bauern versprachen ihm dafür den Zehnten von ihrem Korn. An die Stelle des Kornzehnten ist später ein Zehntgeld getreten, das alle Bauern bis in die Neuzeit zahlen mußten. Nur die beiden Höfe, auf denen damals die Witwen zu Hause blieben, sind nicht in die Zehntlisten eingetragen worden und um den Zehnten herumgekommen."